7. BLUTANALYSE SPEZIFISCHER ANTIKÖRPER IM SERUM (LEBENSMITTELUNVERTRÄGLICHKEITEN)

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Mehr als 60% der Bevölkerung weisen Intoleranzen gegen zumindest ein Lebensmittel auf. Wichtig ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz: Bei der Nahrungsmittelallergie reagiert der Körper auf einen bestimmten Stoff in der Nahrung allergisch, d.h. das Immunsystem reagiert überzogen auf Substanzen, die für den gesunden Menschen harmlos sind. Die Folge kann für den Menschen unter Umständen lebensbedrohlich werden. Bei der Nahrungsmittelintoleranz funktioniert ein Enzym oder Transportmechanismus im Darm nicht, wodurch es zu den Symptomen kommt. Zahlreiche Unverträglichkeitsreaktionen können unterschiedliche Krankheitssymptome aufweisen. Die Hinweise reichen von Hautausschlägen über Verdauungsstörungen bis hin zur Migräne. Auch Beschwerdebilder, die zunächst völlig andere Erkrankungen vermuten lassen, wie chronische Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Antriebsschwäche, Muskel- und Gelenksschmerzen sowie auch Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, können in Folge von Unverträglichkeitsreaktionen auftreten.

Während der letzten Jahre haben Ärzte einen Anstieg klinischer Symptome wie Hautirritationen, gastro-intestinale Funktionsstörungen, Migräne, Adipositas usw. als Folge von Nahrungsmittel- Intoleranten (Unverträglichkeiten) registriert. Die Identifizierung der auslösenden Nahrungsmittel ist oft schwierig. Oft werden Methoden zum Nachweis angeboten, welche jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren.
Nur bei Laktose- und Fruktose- Unverträglichkeit gib es Analysemethoden, welche eine sichere Aussagekraft besitzen. Für die Analyse von Unverträglichkeiten gegen weitere Nahrungsmittelinhaltsstoffe wurden zuletzt sensitive und zuverlässige Nachweismethoden auf der Basis der Analyse spezifischer IgG und IgG4 Antikörper, welche gegen Nahrungsmittel-Antigene gerichtet sind, entwickelt. Diese Methoden stellen einen Fortschritt in der Diagnose von Unverträglichkeiten dar. Allerdings müssen diese Analysen mit weiteren Informationen, z.B. aus Fragebögen, ergänzt werden, um durch erfahrene ExpertInnen zufriedenstellende, aussagekräftige und hilfreiche Analyseergebnisse und Beratungsgrundlagen zu liefern.
Im Blut zirkulierende IgG- Antikörper gehen eine Verbindung mit dem Nahrungsmittelallergen (Antigen) ein und lösen somit Entzündungsreaktionen aus. Diese Überempfindlichkeitsreaktion kann von einigen Stunden bis zu mehrere Tage lang anhalten. Mit einem speziellen Verfahren wird das Blutserum auf spezifische Nahrungsmittelallergene getestet und in 4 Klassen eingeteilt.

  • Negativ, Klasse 1 und 2 getestete Nahrungsmittel sollten keine Probleme verursachen; vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Intoleranz- Reaktionen.
  • Klasse 3 getestete Nahrungsmittel sollten nur noch jeden 4. Tag über einen Zeitraum von 4–6 Monaten konsumiert werden. Milch, Ei, Weizen, Erdnuss und einige spezielle Nahrungsmittel sollten bereits ab Klasse 3 eliminiert werden.
  • Klasse 4 getestete Nahrungsmittel sollten in Abhängigkeit von dem Nahrungsmittel und der Symptomatik bis zu einem Jahr eliminiert werden. Dieser Abstinenz‐Zeitraum sollte dem Immunsystem eine Regeneration ermöglichen.

EI: Da in Eiern verschiedene Eiweiße enthalten sind, gibt es unterschiedliche Eiallergien. So gibt es eine gegen hitzestabile und eine gegen hitzeempfindliche Allergene. Bei Letzterer werden hart gekochte bzw. gebratene Eier relativ gut vertragen. Kleine Mengen, wie z.B. in Nudeln, sind für manche Allergikerinnen/Allergiker gut verträglich. Ist die Allergie stark ausgeprägt, kann es jedoch auch zu Auswirkungen nach dem Verzehr von Eiern kommen. In solchen Fällen müssen Eier sowie eihaltige Produkte strikt gemieden werden. Probleme verursacht meist das Eiklar, nicht der Dotter. Vorsicht: Manche Impfstoffe können Bestandteile aus Hühnereiern enthalten.

KUHMILCH: Milcheiweiß kann in sogenannte Milcheiweißfraktionen aufgeteilt werden: in das hitzestabile Kasein und das hitzeempfindliche Molkeneiweiß. Folglich gibt es auch Unterschiede bei der Allergie. Bei einer Allergie auf Kasein müssen Milch und daraus hergestellte Produkte aller Tierarten gemieden werden. Bei der Allergie auf das Molkeneiweiß sollte lediglich auf Kuhmilch und daraus hergestellte Produkte verzichtet werden. Die meisten Milchallergikerinnen/Milchallergiker reagieren jedoch auf beide Eiweißfraktionen der Milch allergisch. Milcheiweiß kann in vielen Lebensmitteln, die nicht offensichtlich mit Milch in Zusammenhang stehen, enthalten sein: Milchbrot, Kuchen, Torten, Backmischungen, Paniermehl, Eis, Kartoffelpüree und –pulver, Ketchup, Senf, Mayonnaisen sowie Fertiggerichte und Saucen.

GLUTEN: Die Getreideallergie wird unterschieden von der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), bei der Klebereiweiß Probleme bereitet. Bei einer Getreideallergie wird auf weitere in Getreide enthaltene Eiweiße allergisch reagiert. Meistens wird Weizen nicht vertragen. Da Weizen zur botanischen Familie der Gräser zählt, kann es bei Bestehen einer Gräserpollenallergie zu einer Kreuzreaktion mit Weizen oder auch anderen Getreidesorten kommen. Die allergischen Reaktionen führen zu Ausschlägen oder Hautjucken bzw. Atem- oder Verdauungsbeschwerden. Bei Inhalation von Mehlstaub (z.B. Müller, Bäcker), kann es zu allergischem Asthma kommen.
Bei einer Weizenunverträglichkeit müssen Lebensmittel und Zutaten wie Weizen-(vollkorn-)mehle und -produkte, -kleie, -keimöl, -bier, Malz sowie diverse Bindemittel und Stärke gemieden werden. Als Alternative zum Weizen bieten sich Hafer, Gerste, Roggen, Mais, Reis, Buchweizen, Hirse, Quinoa oder Amaranth an. Auch Dinkel wird zumeist gut vertragen.

FRUKTOSEINTOLERANZ: Fruktose ist in allen Obstsorten (in unterschiedlicher Konzentration), Trockenobst, Obstsäften, Honig sowie Diabetikerprodukten enthalten. Daneben müssen bei Fruktosemalabsorption auch andere Zuckeraustauschstoffe (Zuckeralkohole) gemieden werden. Die Verbesserung der Fruktoseaufnahme kann durch Gabe von Traubenzucker (Dextropur) erreicht werden. Es ist daher sinnvoll Traubenzucker und Fruchtzucker gemeinsam zu konsumieren. So enthalten Äpfel viel Fruktose, werden aber in Form von Kompott oder Mus, gesüßt mit Traubenzucker, besser bzw. gut vertragen. Fruchtsäfte können ebenfalls mit Traubenzucker „aufgebessert“ werden.

SELLERIE: Allergische Reaktionen auf Sellerie treten oft als Kreuzreaktion bei Bestehen einer Pollenallergie auf. Bekannt ist hier das Sellerie-Karotten-Beifuß-Birkenpollen-Gewürz-Syndrom. Zu häufigen Kreuzreaktionen gegen Sellerie kommt es – wie der Name sagt – bei Baum- bzw. Unkräuterpollen. Außerdem ist ein Zusammenhang mit der Latexallergie bekannt. Sellerie wird häufig als Aromakomponente hinzugefügt und verbirgt sich als Würzmittel in Suppen, Saucen, Salat-, Fleisch- und Geflügelspeisen, Gewürzsalzen und -mischungen.

SOJA: In Sojabohnen sind unterschiedliche Allergene enthalten, dabei werden hitzeempfindliche und hitzestabile unterschieden. Je nach Allergie werden verarbeitete oder gegarte Sojaprodukte vertragen, nicht jedoch bei einer Allergie auf die hitzestabilen Eiweiße in Sojabohnen. Die Beschwerden können teils sehr heftig ausfallen. Besonders im Säuglings- und Kindesalter treten Allergien gegen Soja auf. Viele Kuhmilchallergiker (ca. 25 Prozent) reagieren auch auf Soja. Milch aus Soja ist daher in diesem Fall keine Alternative. Kreuzreaktionen bei Bestehen einer Erdnussallergie sind bekannt – denn beides sind Hülsenfrüchte. Bei stark ausgeprägter Allergie muss besonders auf Verpackungsetiketten geachtet werden, da Soja sehr häufig in verarbeiteten Produkten enthalten ist. Vorsicht daher bei diversen Süß- und Dessertwaren, Brot- und Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren, Suppen, Saucen, Mayonnaisen, Ketchup, Milchersatzprodukten, Brotaufstrichen, Gewürz- und Suppenmischungen und Sojasauce u.v.m.

NUSS, ERDNUSS: Baumnüsse, Schalenfrüchte und Hülsenfrüchte (Leguminosen) können starke allergische Reaktionen verursachen. Das allergene Potenzial von Nüssen ist sehr hoch, bereits das Berühren oder Einatmen von Nusspartikeln kann Reaktionen auslösen. Leichte Reaktionen betreffen Mund- und Rachenbereich, bei einer schweren Allergie kann es zu Atemnot bis Erstickung und Kreislaufkollaps kommen. In den meisten Fällen werden Haselnüsse nicht vertragen. Allergien auf z.B. Cashew-, Pekan- oder Paranuss sind hierzulande eher selten. Erdnüsse können sehr schwere Reaktionen auslösen. Nussallergien beschränken sich meist auf eine bestimmte Sorte. ACHTUNG: In vielen Lebensmitteln können Spuren von Nüssen enthalten sein, da es bei der Produktion von Lebensmitteln zu einer Verunreinigung kommen kann.

GEWÜRZE: Besonders aggressive Allergene sind in Selleriegewürzen, Curry, Koriander und Basilikum enthalten.

  • Würzen Sie sparsam und meiden Sie das Allergen, insbesondere in frischem Zustand
  • Verwenden Sie vorsichtshalber keine Gewürzmischungen (Curry, Grillgewürz und anderes)
  • Garen Sie verträgliche Gewürze mit
  • Bevorzugen Sie getrocknete Kräuter

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